Musik, Tanz und Schlemmerei bestimmen die Mädelsparty im
Heidelberger Schloss. Vorher jedoch kommen die zwölf jungen Frauen im
Obergeschoss des Fassbaus zusammen und trinken auf das Wohl der Frauen, die in
der Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner im Schloss und mit dem Schloss
gelitten haben.

Billi, die Bayerin, erhebt ihr Glas auf das Wohl von Marie,
der Hingerichteten.

Marie von Brabant war die Ehefrau Ludwigs II., des ersten in
Heidelberg geborenen wittelsbachischen Pfalzgrafen. Sie war 28, als sie 1254
den Pfalzgrafen heiratete (er war 25), und voller Sorge um ihren Liebsten
schrieb sie an einen Junker am Hof einen Brief, er solle ganz besonders auf
seinen Herrn acht geben. Dieser jedoch muss voller Misstrauen gewesen sein,
dass ein Schriftstück von einer Frau nur Untreue, Ungemach und Schändliches
bedeuten konnte, verdächtigte sie eines Verhältnisses mit dem Junker und ließ
sie hinrichten. Das war 1256, und Marie war gerade einmal 30. Erst hinterher
kam ihm die Idee, dass die Sache ganz anderes gewesen sein konnte, und zur
Sühne für den jähzornigen Mord stiftete er das Kloster Fürstenfeld in der Nähe
von München. Lebendig wurde Marie davon nicht mehr. Warum die Nachwelt Ludwig
mit dem Beinamen „der Strenge“ versah, ist wohl nicht so ganz nachzuvollziehen.

Maggie, die Sizilianerin, erhebt ihr Glas (Dornfelder aus
der Pfalz) auf Anna, die schöne Königin und jung Verstorbene.

Anna von der Pfalz war die Tochter des Pfalzgrafen Rudolf,
der sich 1329 endlich mit seinem Onkel Ludwig (Herzog von Bayern, Pfalzgraf bei
Rhein und Römischer Kaiser) über die Pfalzgrafschaft hatte einigen können. Um
das Bündnis mit dem deutschen König Karl IV., gleichzeitig König von Böhmen und
später Römischer Kaiser, in die Wege zu leiten und zu festigen, heiratete Karl 1349
die zwanzigjährige Pfälzerin, deren Schönheit die Zeitgenossen rühmten. Gegen
Ende desselben Jahres 1349 wurde Anna in Prag zur Königin von Böhmen gekrönt,
im folgenden Jahr gebar sie ihren ersten Sohn Wenzel. Dass es ihr einziger
bleiben sollte, war nicht vorauszusehen – der kleine Königssohn starb schon
1351, Anna selbst starb 1353, da war sie 23. Vermutlich bei einer neuen
Schwangerschaft.

Eli, die Nürnbergerin, trinkt auf das Wohl von Clara Tott (oder
Dett), die musikalisch begabte und gefangen gesetzte Geliebte.

Clara Tott (oder Dett) war eine Augsburger Bürgerstochter
(vielleicht aber doch „von Tettingen“, Patrizierin und damit adliger Abkunft)
und war dem Pfälzer Kurfürsten Friedrich I, dem Siegreichen, aufgefallen, als
der in München mit dem Bayernherzog an einem politischen Bündnis schmiedete. Friedrich
muss nicht nur auf dem Schlachtfeld siegreich gewesen sein. Er, der, um
Kurfürst zu werden, seinen eigenen Neffen adoptiert und eigene Ehelosigkeit gelobt
hatte, um dessen Erbanspruch nicht zu schmälern, nahm sich Clara als Geliebte
und hatte zwei Kinder mit ihr. Der ältere schlug die geistliche Laufbahn ein,
der zweite wurde, weil er wohl letztlich doch ehelicher, wenn auch nicht
standesgemäßer Abkunft war, mit der Grafschaft Löwenstein abgefunden und zum
Stammvater der Fürsten von Löwenstein-Wertheim. Clara indessen war musikalisch
begabt und baute am Heidelberger Hof die Hofmusik auf. Ihre Stellung am Hof war
jedoch Gefährdung und Staatsgeheimnis zugleich, da sie letztendlich wohl doch
Erbansprüche hatte. Friedrichs Neffe, Adoptivsohn und Nachfolger in der
Kurwürde Philipp setzte sie daher nach Friedrichs Tod kurzerhand auf Burg
Lindenfels für einige Jahre gefangen. Geburts- und Sterbejahr Claras sind nicht
bekannt. Wenn sie 20 Jahre alt war, als sie Friedrich 1459 in die Augen und ins
Herz fiel, war sie 23, als er sie heiratete, dann war sie 37, als er starb. Was
aus ihr wurde, weiß niemand.

In Augsburg ist immerhin ein kleines, kaum vier Häuser
aufweisendes Sträßchen nach Clara Tott benannt.

Sabeth, die Philosophin, hebt ihr Glas auf Elisabeth von
Bayern-Landshut, die gescheiterte Erbin.

Elisabeth war die einzige Tochter und Erbin des Herzogs
Georgs des Reichen von Bayern-Landshut. Dessen Hochzeit mit der polnischen
Königstochter Jadwiga wurde 1475 mit großem Pomp in Landshut gefeiert – und ist
auch heute noch Gelegenheit für eines der ganz seltenen Renaissance-Spektakel
in Deutschland. Drei Jahre danach gebar Elisabeth ihre Tochter, die nach ihr
ebenfalls Elisabeth hieß. Vater Georg war Herzog über das reiche, von den
Handelsströmen der Zeit und dem
Salzreichtum des Landes profitierende Niederbayern, und er wusste, dass sein
reiches Land nach seinem erbenlosen Tod in die Hände seines oberbayrischen
Vetters in München fallen würde. Er sann auf Abhilfe und schloss mit Kurfürst
Philipp von der Pfalz 1496 einen geheimen Vertrag, in dem eine Ehe zwischen
Tochter Elisabeth und dem damals noch minderjährigen Kurfürstensohn Ruprecht
und ein Erbrecht des Paares verabredet wurden. Ruprecht wurde 1498 volljährig
und heiratete verabredungsgemäß Elisabeth. Das Erbe jedoch konnte gegen die
Allianz des Bayernherzogs in München mit dem Kaiser nicht durchgesetzt werden,
der Landshuter Erbfolgekrieg rief alle Gegner der Pfalz auf den Plan und ging
1504 für die Pfalz verloren. Ruprecht und Elisabeth starben kurz danach an der
Ruhr und hinterließen zwei kleine Söhne, für die aus dem Erbe der Mutter mit
Neuburg ein kleines Fürstentum geschaffen wurde.

Für das große und mächtige Land, das damals hätte entstehen
können, für die Vereinigung der Pfalz und Niederbayerns, gibts noch einen
Extraschluck. Und für Ottheinrich, den Sohn aus der Ehe der beiden, noch einen.