Ein paarmal kam ich nach Lahr, einem nassauingischen
Städtchen, welches 700 Bürger und im ganzen ohngefähr 7000 – 8000 Seelen
fasset. Es liegt am Fuße eines langen Weinbergs, der sich da endiget und nur
eine kleine Meile von Mahlberg entfernt ist. So unbeträchtlich der Ort wegen
seiner Größe scheinet, so ist er doch äußerst belebt und voll Gewerbe. Der
größte Teil der Inwohnerschaft bestehet aus Handwerks- und Kaufleuten; es
werden dort vorzüglich viele Pelzwaaren für den Landmann verfertiget und sehr
weit verführet. Die Herren Gebrüder Lotzbeck haben allda ein große Tabakfabrik
angelegt, wo ich eine Taue Tabakblätter, so wie sie aus Virginien ankam,
gesehen habe; sie wurde in meiner Gegenwart aufgeschlagen und ein Stück von
denen Blättern mittelst eines Beils mit großer Mühe heruntergeschlagen; diese
sind mit langen holzenen Nägeln sehr fest zusammengepackt und gegen die Mitte
der Taue waren sie ganz warm. Ein nur allein von diesen Blättern gefertigter
Tabak solle wegen seiner Stärke gar nicht genießbar sein, sie werden also nur
in kleinen Portionen mit anderen vermengt.

Man wirft denen Inwohnern dieses Städtchens vor und, wie ich
mich selbst zu überzeugen Gelegenheit hatte, mit allem Grund, dass sie im
Handel die Juden an List weit überträfen; an einem Zopfbande von 3 Ellen fehlet
gewiss wenigstens ein Achtel, und an einem Pfund Zucker, Kaffee etc. ein, auch
zwei Lot. Die Untertanen der Herrschaft Mahlberg haben mit ihnen sehr viel
Verkehr; jene bringen Früchte und Hanf hin, und diese wissen immer dem
Verkäufer wenigstens für einen großen Teil des Geldes Waaren anzuschwätzen; ein
Teil des Erlöses bleibt in denen Schänken liegen und derjenige, den der Bauer
mit sich nach Hause bringt. ist oft der geringste. Überdies ist Lahr immer der
Zufluchtsort, aber zugleich das Verderben für jene, welche Geld aufnehmen
wollen; auch hierinfalls solle sich der Lahrer Bürger in Rücksicht auf Wucher
vor vielen Juden auszeichnen. Man hat mir gesagt, dass die Mahlberger
Untertanen wenigstens 40.000 – 60.000 Gulden dahin schuldig seien. Nach meinen
Gedanken verdiente dieser Umstand allerdings eine Untersuchung und Beherzigung
vonseite der badischen Regierung und Rentkammer.

Dieser Auszug aus einem unbekannten Werk befindet sich als
Kopie, vermutlich eines Drucks des 19. Jahrhunderts, in meinem Besitz. Er
dürfte etwa zwischen 1774, dem Gründungsjahr der Lotzbeck’schen
Tabakmanufaktur, und 1803, dem Ende der nassauischen Herrschaft, entstanden
sein. Hinweise auf die Herkunft des Texts sind willkommen.