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Der Landeskunde-Blog

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bringt, was nicht gerade
Nachrichten-Charakter hat -
Beobachtungen, Notizen, Anmerkungen.

Mannheim und der Absolutismus

Kurpfälzer Perlen Posted on Tue, October 17, 2017 18:02:32

Es passiert selten, aber es passiert: Mannheims berühmter und charakteristischer Stadtgrundriss wird für barock gehalten, gar als Ausdruck des absolutistischen Fürstenwillens.
Ist er aber nicht. Keineswegs.
Mannheims Stadtgrundriss ist älter als das Schloss. Wenn anderswo ein Schloss und dazu eine Stadt gegründet wird (Karlsruhe 1715) oder doch mindestens ein neues Stadtviertel auf das neue Schloss bezogen wird (Ludwigsburg), so wurde 1720 bei der Gründung des Mannheimer Schlosses dieses neue Schloss auf die Stadt hin ausgerichtet. Exakt parallel und symmetrisch.
Der Grundriss ist Renaissance, geht auf moderne Theorien vom Beginn des 17. Jahrhunderts zurück (gegründet 1607). Damals schon gabs die Quadrate, die über alle Zerstörungen als Grundmuster beibehalten wurden.Merians Grundriss aus dem 17. Jahrhundert zeigt Stadt (quadrate-orientiert) und Festung (sternförmig).



Geroldseck, Veldenz und die europäischen Adelshäuser

Kurpfälzer Perlen Posted on Sat, June 15, 2013 23:14:23

Ich las heute in den mir übersandten „Wittelsbacher“-Magazin
der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen den Eintrag zu Schloss Lauterecken, und dort besonders,
dass die Veldenzer Erbtochter Anna, die „im 15. Jahrhundert durch ihre Heirat
mit Herzog Stephan von Zweibrücken das Erbe der Grafen von Veldenz an die
pfälzischen Wittelbacher“
brachte und „dadurch sogar zur Vorfahrin der späteren
bayerischen und schwedischen Könige“
wurde.

Ich möchte hier betonen, ganz voller berechtigtem
Lokalpatriotismus, dass diese Dame Anna von Veldenz einerseits die
Ur-ur-ur-ur-Enkelin von Heinrich von Geroldseck, dem Sohn des „Stammvaters“
Walther von Geroldseck (+1277), andererseits die Stamm-Mutter auch der Könige
von England aus dem Haus Hannover und noch einiger anderer europäischer
Fürstenhäuser war. Das erklärt das Geroldsecker Wappen in der Stammtafel der
britischen Monarchie.

Bild: Das Veldenzer Schloss Lauterecken (Landkreis Kusel). Wikimedia Commons/saarlandbilder.net, pejder



Vom Kurschild

Kurpfälzer Perlen Posted on Tue, January 03, 2012 12:29:45

Es gab sieben Kurfürsten im alten Reich, die den König und Kaiser wählten. Später waren es neun. Und jeder Kurfürst hatte ein Erz-Hofamt inne. Und die Pfalz lag mit Bayern seit ungefähr 1300 im Clinch – wie es unter netten Verwandten üblich ist. Jeder der Kurfürsten fügte seinem Hauswappen einen zusätzlichen Wappenschild hinzu, um aller Welt zu zeigen “seht her, ich bins!” Das war der sogenannte Kurschild.

Hier zu sehen am Königssaal im Heidelberger Schloss.

In diesen Kurschild, der ursprünglich leer war, durfte Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz 1544 als erster den Reichsapfel setzen – von seinem Jugendfreund Kaiser Karl V. selbst verliehen. Der Reichsapfel, das war das Sinnbild der universalen Kaiserherrschaft und eins der höchsten Symbole des Reichs. Friedrich durfte ihn in sein Wappen aufnehmen, weil er der Erztruchsess des Reiches war und beim festlichen Krönungsmahl des neugewählten Kaisers diesem die erste Scheibe Fleisch servieren durfte.

Bild: Wappen Ottheinrichs von der Pfalz aus dem Cod. pal. germ 833 in der Uni-Bibliothek Heidelberg

1623, als im Dreißigjährigen Krieg der Bayernherzig Maximilian die Pfalz eroberte, nahm er sich nicht nur die Oberpfalz und die Kurwürde als Kriegsbeute, sondern auch gleich das Hofamt des Erztruchsessen dazu. Der Pfälzer Schild war wieder leer.